500 Jahre Teresa von Avila: Inneres Beten

Brunnen (c) Rainer Sturm/pixelio.de
Brunnen
So., 18. Jan. 2015
Monika Herkens
Von denen, die beginnen, inneres Beten zu halten, können wir sagen, dass es die sind, die das Wasser aus dem Brunnen schöpfen,

was, wie ich gesagt habe, für sie eine große Anstrengung ist, weil sie sich abplagen müssen, um die Sinne zu sammeln. Da diese es gewohnt sind herumzustreifen, ist das eine ziemliche Anstrengung. Sie müssen es sich allmählich zur Gewohnheit machen, auf das Sehen und Hören nichts mehr zu geben, und das dann in den Stunden des inneren Betens auch praktizieren, sondern in Einsamkeit zu verweilen und, zurückgezogen, über ihr vergangenes Leben nachzudenken. Freilich müssen das alle oft und oft machen, seien sie nun am Anfang oder schon am Ende, nur gibt es beim Nachsinnen darüber ein Mehr und ein Weniger, wie ich später noch sagen werde. Anfangs verursacht es ihnen noch Schmerz, dass sie nicht bis ins Letzte erkennen können, ob sie wegen ihrer Sünden Reue empfinden; doch sie tun es, da sie sich doch entschließen, Gott wirklich zu dienen. Sie sollen sich bemühen, sich mit dem Leben Christi zu beschäftigen, was den Verstand allerdings ermüdet.

 Teresa von Avila - Das Buch meines Lebens, 11,9