Wo die Wüste erblüht

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Mi, 13. Mär 2019
Karmel Aachen

Aus dem Schatz eines Einsiedlermönchs- Die Wüste zu betreten, ist immer ein feierlicher Augenblick. Man verlässt die gewohnte Umgebung, seine Freunde, und taucht es ein gegen das Unbekannte, das die Einsamkeit bringen wird.

Der Beginn besteht aus Loslösung, Leid und Selbstverleugnung. Dieses endgültige Sich- Lossagen von allem, was einem lieb und teuer war, vollzieht sich nicht ohne Tränen. Das haben auch die Israeliten erfahren, als sie aus Ägypten auszogen. Lange Jahre haben sie darunter gelitten, obwohl sie mit ihrer ganzen Gemeinschaft weggezogen waren

Von dir werden der Glaube und der Mut Abrahams erwartet. Nirgends steht geschrieben, dass Abraham zögerte oder es bereute. Lass also alles hinter dir und sei bereit! Gott, der dich zu diesem Verzicht ruft, wird auch deine Kraft sein.

Wenn der Herr jemand zur Kontemplation führen möchte, dann muss alles zum Schweigen kommen, damit er allein Raum gewinnt. Wenn du das Klagen der Natur nicht mehr hören wirst, wenn du nicht mehr auf jede Unruhe eingehst. Wenn du nur noch den Wunsch hast zu lieben, wenn du dich nicht mehr um dein Leben sorgst, wenn du kaum noch an dich denkst, weder im Bösen noch im Guten, wenn du dich nicht mehr darum kümmerst, von den Menschen anerkannt zu werden, mit einem Wort: wenn du dich selbst aus dem Blick verloren hast, dann wirst du das Allerheiligste der Stille entdecken, dieses verwundbare Heiligtum deiner Seele, wo Gott lebt und dir nahe ist.

Die ganze Spiritualität der Wüste kann zusammengefasst werden in dem Wort des Johannes vom Kreuz: „Ein einziges Wort sprach der Vater: seinen Sohn; und dieses Wort spricht er immer in ewigem Schweigen. Und nur schweigend kann es von der Seele aufgenommen werden.“

Man muss gehen, ohne je stehen zu bleiben. Das Wort Gottes ist deine Nahrung. Aber im Stehen, mit gegürteten Hüften und mit dem Stab in der Hand muss man das Pascha essen. Du bist ein Pilger ohne Zuhause, ohne Gepäck, ohne ein sicheres Morgen. Die Wüste ist keine Residenz, kein Wohnsitz, sondern ein Weg, auf dem man voranschreiten muss, um das „ Land ohne Rückkehr“ zu erreichen. Dieses Land ist Gott selbst.

Er weiß alles,

Er kann alles,

und Er liebt mich.

Schreibe dir das in dein Herz.

Für dich kommt der Messias nicht erst in der Zukunft. Du lebst bereits jetzt im Hause Jesu; jeden Tag ernährst du dich von seinem Leib, wirst beseelt von seinem Leben, angespornt und geführt von seinem Geist. Mit Jesus bist du gestorben und auferstanden. Sollte deine Liebe wirklich nur ein wenig Glut bleiben, die unter der Asche verborgen ist?

Im mystischen Leib Christi musst du das Herz darstellen, andernfalls bist du nichts…

Dein verborgenes Leben spricht die Welt an und leuchtet in ihr, aber nur in dem Maß, wie es sich wirklich in Liebe verzehrt.

Die Nacht ist für den Eremiten der Augenblick der größten Nähe Gottes. Sie verleiht der Wüste eine besondere Schönheit, indem er alle Gegenstände undeutlich macht; Stillstand hat die Aufeinanderfolge von Bewegungen abgelöst und lässt die Nähe der Ewigkeit erahnen. Die Erde schläft, es herrscht das große Schweigen. Der Blick des Wachenden ist auf den Himmel gerichtet. Dabei scheint es ihm, als umarme ihn Gott von allen Seiten, als wolle er ihn in seinem Schoß bergen. Lieber als der Tag wird dir die Nacht werden; in ihr gehörst du mehr Gott an, da du nichts anderes tun kannst als beten.

Der Berg Karmel, dessen Name „Weinberg“ oder „Obstgarten“ bedeutet, ist das Symbol des inneren Aufstiegs zu Gott geworden; sein Gipfel stellt das Ruhen in Gott dar, die Freude der vollständigen Vereinigung. Die Schrift stellt ihn uns als fruchtbaren und köstlichen Ort dar, dessen Schönheit und Fruchtbarkeit an die Jungfrau Maria erinnern.

Gott hat in der Wüste keine anderen Wege, keine anderen Pfade gezogen als die des Gebets. Die Betrachtung hat ihren Zweck in sich selbst. Sie ist nichts anderes als die höchste Übung der Liebe.

Diese Liebe ist nicht zu trennen von einer echten Heiligkeit, die selbst nichts anderes ist als das Aufblühen dieser Liebe, die alle Tugenden bis zum Heroismus belebt.

So wird deine Wüste zur fruchtbaren Wiese werden. Weil du treu geblieben bist, lässt sie ihre Verheißung wahr werden: „Auf den kahlen Hügeln lasse ich Ströme hervorbrechen….Ich mache die Wüste zum Teich und das ausgetrocknete Land zur Oase“- „Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen,, die Steppe soll jubeln und blühen. Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen. Es…..wird ihr geschenkt die Pracht des Karmel“.

 

 

 

Wo die Wüste erblüht